Das Deutsche Theater Berlin spielt Michael Frayns Komödie Demokratie als Musical. Im Jahr 1969 ging die SPD die sozialliberale Koalition mit der FDP ein. Der SPD-Vorsitzende Willy Brandt übernahm das Amt des Bundeskanzlers, im Hintergrund zog Ex-Kommunist Herbert Wehner die Fäden, und der junge Helmut Schmidt stand ungeduldig in den Startlöchern. In der Parteizentrale stellte […]
Archive | Schauspiel
Der Staat als rettender „deus ex machina“ in höchster Not
Man kann bestimmte Stücke wegen ihrer Affinität zu einer gegebenen politischen Lage auswählen und entsprechend inszenieren. Das birgt jedoch die Gefahr, dass aufgrund der langen Vorbereitungszeit die Verhältnisse zur Premiere nicht mehr „so sind“. Also gilt auch für das Theater der alte Satz, dass das Leben die besten Pointen setzt, will sagen, dass so manche […]
Moderne Tragikomödie über den ewigen Außenseiter
Der erfolgreiche Film „Shakespeare in Love“ hat einem breiten Publikum den eigentlichen Charakter des Dramatikers Shakespeare und seiner Stücke nähergebracht. Shakespeare hat dem Volk im wahrsten Sinne des Wortes „aufs Maul geschaut“ und die damalige Umgangssprache auf die Bühne gebracht. Seine Stücke erschienen im „Globe“-Theater, das in erster Linie der Unterhaltung des einfachen Volkes diente. […]
Lehrstück über die menschliche Unbestimmtheit
Die Kammerspiele des Staatstheaters Darmstadt bringen Michaels Frayns Einakter „Kopenhagen“ Der Däne Niels Bohr (1885-1961) und der Deutsche Werner Heisenberg (1901-1976) waren zwei der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts, wobei ersterer lange Zeit eine gewisse Patenrolle gegenüber letzterem einnahm. Seit Mitte der zwanziger Jahre verband die beiden eine enge Zusammenarbeit, die sich zu einer persönlichen […]
Trio infernale der hohlen Sprüche
Die „Bar-Festspiele“ des Staatstheaters Darmstadt bringen Felicia Zellers Text-Collage „Bier für Frauen“. Wer unvorbereitet in diese Aufführung geht, in der Hoffnung, einen netten Abend zu verbringen, ist eine Zeitlang irritiert. Die Versuche, den Gesprächen zwischen den drei Personen einen Sinn oder gar eine schlüssige Handlung zu entnehmen, bleiben erfolglos. Erst gegen Ende der Aufführung erschließt […]
Sieben Personen zerfleischen einen Autor
Gaston Salvatores Einakter „Büchners Tod“ als szenische Lesung im Staatstheater Darmstadt. Am 19. Februar 1873, vor 175 Jahren also, verstarb Georg Büchner im Züricher Exil an einer Typhuserkrankung. Vorher hatte er sich der Verhaftung wegen „staatsverräterischer Handlungen“ durch die Flucht entzogen. Der Chilene Gaston Salvatore – Jurist, Ökonom und Schriftsteller – kam 1969 nach Deutschland […]
Keine Klamotte ohne Kalauer
Die Komödie „Der Raub der Sabinerinnen“ im Staatstheater Darmstadt ergibt nur als Ergänzung zum „Theatermacher“ Sinn. Eígentlich gehört diese Rezension in die gemeinsame Betrachtung eines selbstreferentiellen Theaterabends. In einem Doppelabend hatte Schauspieldirektor Martin Apelt zwei Antipoden des „Theaters über das Theater“ zusammengestellt: Thomas Bernhards „Der Theatermacher“ und eben diese Komödie der Brüder Paul und Franz […]
Blick zurück ohne Zorn
Das Staatstheater Wiesbaden bringt Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ auf die Bühne. In den letzten Jahren ist die Zahl der Theaterversionen berühmter Romane deutlich gewachsen. Nun unterscheiden sich Romane und Theaterstücke bekanntlich grundlegend in wesentlichen Aspekten, so dass sich die Frage nach dem Grund solcher Transponierungen stets von neuem stellt. Die aristotelischen Forderungen an ein […]
Fiebriger Verfall der Wohlanständigkeit
Das Staatstheater Wiesbaden gastiert in Darmstadt mit Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“. Sieht man ein Stück zum zweiten Mal auf einer anderen Bühne, mit anderen Darstellern und anderem Bühnenbild, so ergibt sich die reizvolle Gelegenheit des direkten Vergleichs. Gleichzeitig erübrigt sich für den Rezensenten die Darstellung der Handlung, wenn die erste Rezension noch verfügbar […]
Die Weite und das Nichts
Das Staatstheater Darmstadt inszeniert Anton Tschechows „Onkel Wanja“. Man könnte dieses seltsamerweise mit „Komödie“ bezeichnete Theaterstück auch anders, kürzer inszenieren. Die bewusst sparsam gehaltene Handlung ließe sich ohne Pause in gut einer Stunde über die Bühne bringen, nur müsste dann am Ende Onkel Wanja sich oder den Professor erschießen, um einer solchen „Tempo-Version“ den krönenden […]