Reisen Museen, moderne Malerei - Mozart

 
Mai 2010

 Mozart-Dinner

Mozarteum_Abend

Oper im Landesmuseum

Ein Golftag in Eugendorf

In Salzburg bricht sich der Frühling kulturell Bahn


Es scheint so, als hätten die Stadt Salzburg und v
or allem das Tourismusbüro geahnt, dass sich der Frühling in diesem Jahr viel Zeit lassen würde. Daher hat man schon zu Jahresbeginn den "Kultur-Frühling" ausgerufen. Nun leidet ja gerade die Geburtsstadt Mozarts nicht gerade unter kultureller Dürre, wie das weltweit bekannte Mozarteum und die jährlichen Festspiele deutlich zeigen, doch hin und wieder sind auch hier neue Impulse notwendig oder zumindest angeraten, um Akzente zu setzen und das auf feste Termine abonnierte Publikum auch zu anderen Zeiten in die schöne Stadt an der Salzach zu locken.

Salzburg mit Salzach und Festung
Salzburg mit Salzach und Festung


Dazu bietet der 90. Geburtstag der Salzburger Festspiele eine hervorragende Gelegenheit. Natürlich steht bei allen kulturellen Aktivitäten zu diesem Anlass die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart im Vordergrund. So werden an vierundzwanzig Wochenenden von Mai bis Oktober spezielle "Mozart-Sinfoniekonzerte" stattfinden, die neben den Ouvertüren zu den großen Opern "Don Giovanni", "Figaros Hochzeit" und "Cosi fan tutte" die bedeutendsten Sinfonien im Mozarteum oder an anderen bedeutenden Orten präsentieren werden. Im Sommer wird außerdem vom 8. bis zum 17. Juli ein spezielles Tanz- und Theaterfestival stattfinden, das die Stadt selbst als sozialen und kulturellen Ort zum Gegenstand machen wird. Über allem stehen natürlich die Salzburger Festspiele selbst, die vom 25. Juli bis zum 30. August neben dem obligatorischen "Jedermann" von Hugo von Hoffmannsthal unter anderem die moderne Oper "Dionysos" von Wolfgang Rihm, "Elektra" von Richard Strauss, Glucks "Orfeo ed Euridice" sowie den "Don Giovanni" präsentieren werden. Auch das Theater wird in dieser Zeit mit verschiedenen Inszenierungen vertreten sein, so mit "Ödipus auf Kolonos" von Sophokles (Peter Stein) oder Racines "Phädra". Die Sonderausstellung  "Bernart Venet - Eine Hommage an Salzburg" zeigt Skulpturen des Künstlers mitten im Stadtbild von Salzburg und das Museum der Moderne wird vom 12.6. bis zzum 3.10. Werke des Malers Max Ernst ausstellen.

Soviel in Kürze zu dem kulturellen Programm des Jahres, das mit dem "Kulturellen Frühling" beginnt. Doch bevor man sich in das kulturelle Programm der Stadt stürzt, sollte man sich einen Eindruck von ihr verschaffen.

Constanze Mozarts Grab
Constanze Mozarts Grab
Stadtplan

Stadtplan von Salzburg (bitte zoomen)

Ein Rundgang lässt sich in dem kompakten Stadtkern der etwa 150.000 Einwohner zählenden Stadt ohne größere Anstrengungen einrichten. Am besten beginnt man in der Nähe des Mozarteums, won man, von der Autobahn kommend, zum ersten Mal den historischen Stadtkern zu sehen bekommt. Von der Paris-Lodron-Straße biegt man nach rechts ab zur Kirche St. Sebastian. Auf dem Wege dorthin passiert man die Loreto-Kirche und kommt durch den "Bruderhof", der seinen Namen von den Benediktinern erhalten hat, die noch heute dort, wenn auch in reduzierter Zahl, residieren. Glaubwürdigen Aussagen zufolge vertreten die verbliebenen "Brüder" nicht nur jesuitische Positionen, sondern gehören sogar zur umstrittenen Pius-Gesellschaft. Ansonsten zeigt sich der Bruderhof jedoch von einer durchaus weltlichen Seite. Das Restaurant "Brüderlein fein" bietet einheimische Speisen und Weine in rustikalem Ambiente, und daneben ergänzt das trendige Café "Cappomio" das gastronomische Angebot um eher leichte Genüsse.

Vom Bruderhof gelangt man direkt in den weitläufigen Innenhof der Kirche St. Sebastian. Das großzügige Viereck beherbergt einen alten Friedhof, auf dem unter anderen der berühmte Arzt Paracelsus und Mozarts Witwe Constanze liegen. In dem umlaufenden Kreuzgang kann man die Gräber vieler ehemailgen Salzburger Honorationen und führender Familien bewundern, die sich gegenseitig an Pracht und Repräsentationswillen übertreffen. Ein Rundgang durch Kreuzgang lohnt sich in jedem Fall. Durch die Linzer Gasse geht es dann weiter bis zur Salzach und dort die Dreifaltigkeitsgasse hinunter zum Makartplatz. Auf dessen nördlicher Seite liegt das Hotel "Bristol" mit seiner repräsentativen
k.u.k.-Fassade, dahinter erstrecken sich das Mozarteum sowie der Mirabell-Garrten mit dem Mirabellschloss. Der Besuch dieses Ensembles ist für jeden Salzburg-Besucher geradezu eine Pflicht. Das Mozarteum ist die Salzburger Musikhochschule, auch "Universität für Musik" genannt, und wohl eine der bedeutendsten musikaischen Ausbildungsstätten überhaupt. Das Mozarteum wurde 1941 gegründet und residiert noch heute in den alten Gemäuern. Doch mittlerweile hat man den inneren Bereich geschickt modernisiert, ohne dabei den historischen Charakter des Gebäudes zu beschädigen. Der großzügige Vorhof ist von klaren Linien und einer durchgehenden Glasfront geprägt, die hinter dieser Glasfront liegende Eingangshalle zeigt dieselben klaren Linien ohne jegliche Schnörkel und gestattet den Blick auf die Übungssäle, in denen man den angehenden Pianisten - meist junge Frauen - beim Üben zusehen kann, ohne dass ein Laut durch die schalldichten Fenster dringt. Alles atmet hier Licht und Luft, man kann sich kein besseres Pendant zur Musik des Namensgebers denken.

Blick vom Dach des Mozarteums in den Mirabell-Garten
Blick vom Dach des Mozarteums in den Mirabell-Garten


Vom Dach des Mozarteums blickt man in den französischen Garten von Schloss Mirabell, der durch seine geometrische Anordnung, die Statuen und den großen Brunnen besticht. Hier oben könnte man stundenlang stehen und das geruhsame Treiben der Gartenbesucher betrachten. Es versteht sich von selbst, dass hier eine Reisegruppe nach der anderen durchzieht und alles fotografisch festhält, was sich anbietet. Doch schöne wie berühmte Orte haben nun einmal damit zu leben, dass sie viele Menschen anziehen. Das bringt für die Stadt ja durchaus auch viele Vorteile mit sich. Wir verlassen den Mirabellgarten Richtung Makartplatz und passieren dort das Landestheater, das Erzbirschoff Colloredo noch zu Mozarts Salzburger Zeit aus dem alten "Ballhaus" zu einem Theater umbauen ließ. Hinter dem Landestheater zweigt der Weg zum Makartsteg ab. Links davon liegt das berühmte Hotel "Sacher", rechts grüßt aus dem "Hinterhof" des Landestheaters eine lebensgroße Statue Herbert von Karajans, der über Jahrzehnte nicht nur die Salzburger Festspiele sondern die gesamte klassische Musik prägte. Die unzähligen Blitze japanischer Fotoapparate haben der Statue bisher nichts anhaben können, sofern man die grüne Patina nicht auf diesen zusätzlichen Lichteinfall zurückführt.

Auf dem Makartsteg überqueren wir die besondes in diesem regenreichen Frühjahr munter bergab sprudelnde Salzach und gelangen über die Griesgasse in die berühmte Getreidegasse, in dessen Nummer 9 im Jahr 1756 Wolfgang Amadeus Mozart zur Welt kam. Doch bevor wir dorthin gelangen, geht es noch mit dem Lift durch den Felsen hinauf zum "Museum der Moderne", das auf dem Mönchsberg am westlichen Ende der Altstadt liegt. Das modernde Gebäude ist dank seiner exponierten Lage schon von weitem sichtbar, integriert sich jedoch aufgrund seiner zurückhaltenden Architektur und nicht zuletzt wegen der Donminanz der Festung weiter im Südosten nahtlos in das Stadtbild. Der Besuch lohnt sich nicht nur wegen der wechselnden Ausstellungen, sondern allein schon wegen der großzügigen Architektur, die erst im Inneren des tief in den Felsen reichenden Gebäudes richtig zur Geltung kommt. Klare Linien, großzügige Flächen und viel Glas prägen den Charakter des Hauses. Derzeit - bis zum 30. Mai, zeigt das Museum die "Winterthur"-Ausstellung. Die Sammlung besteht aus einer Reihe von Gemälden des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die normalerweise außerhalb des Schweizer Stammsitzes nicht zu sehen sind, da die aus privaten Quellen gespeiste Sammlung grundsätzlich nicht auf Reisen geht. Das Salzbuerger "Exil" ergab sich eher aus Sachzwängen, da das Ausstellungsgebäude in Winterthur derzeit renoviert wird. Wegen der bevorstehenden Schließung der Salzburger Ausstellung verzichten wir an dieser Stelle auf eine detailliertere Beschreibung.

Schmiedeeiserne Geschäftsschilder in der Getreidegasse
Schmiedeeiserne Geschäftsschilder in der Getreidegasse

Von derm "Museum der Moderne" geht es nun wirklich die Getreidegasse hinunter (oder hinauf?) nach Osten. Natürlich hat sich diese schmale Einkaufsstraße, die ab elf Uhr für Fahrzeuge gesperrt ist, längst als touristischer Laufsteg und als EInkaufsmeile etabliert. Doch neben den üblichen Souvenirläden - Mozart-Kugeln! - haben sich hier noch viele ursprüngliche restaurants und Cafés gehalten, die einen Besuch lohnen. Besonders hervorzuheben sind auch die viergestaltigen schmiedeeisernen Geschäfts- und Wirtshausschilder, die über den Köpfen der Spaziergänger in die Gasse ragen. Dass sich zwichendurch profane Reklameschilder eingeschlichen haben, ist zwar schade, aber in einer lebenden Stadt wohl kaum zu vermeiden. Die Schilder werden von einer alt eigesessenen Schmide in der Getreidegasse selbst hergestellt und sind so gesehen im höchsten Grade authentisch. Das authentischste Objelt in dieser Straße ist jedoch Mozarts Geburtshaus, in dem er seine Kindheit und Jugend verbracht hat und das heute viele Originalinstrumente und -dokumente zeigt. Eine ausdrücklich Empfehlung für jeden Gast erübrigt sich, da der Besuch sozusagen obligatorisch ist.

Während die rechter Hand immer wieder das Festspielhaus zeigt, führt der Weg über den Domplatz hinauf zur Drahtseilbahn, die zur Festung hinaufführt, vorbei an dem ältesten Bäcker Salzburgs, von dem wir noch eine Wegzehrung mitnehmen. Die Drahtseilbahn erinnert an österreichische Skiorte, nur steht man hier nicht im Skianzug und mit den Skiern in der Hand, sondern in eher ziviler Aufmachung und mit kulturellem Anspruch. Die Festung selbst ist - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht bewohnt und war es nie, da sie in der Vergangenheit hauptsächlich Schutz-und Trutzzwecken diente. Heute findet man dort lediglich einige Restaurants und Festsäle, in denen regelmäßig Konzerte erklingen - natürlich Mozart! -, ansonsten bietet die Festung vor allem einen herrlichen Blick über Salzburg und seine Umgebung. Unterhalb der Felsen drängt sich die Altstadt am Felsen, und jenseits der Salzach erstreckt sich die Stadt bis weit nach Norden. Direkrt gegenüber der festung erhebt sich auf der Nordseite der Salzach der Kapuzinerberg mit dem gleichnamigen Kloster und dem Haus von Stefan Zweig, während man nach süden über eine weite ebene das Schluss Hellbrunn vor den fernen Bergmassiven erblickt. Weiter rechts schaut das Schloss Leopoldskron, das Max Reinhardt in den dreißiger Jahren renovierte und zu Salzburgs kulturellem Zentrum machte, bevor er 1939 emigrieren musste. In den zwanziger Jahren war Salzburg ein wichtiger kultureller Anziehungspunkt für europäische Künstler und Intellektuelle. Neben Reinhardt und dem bereits erwähnten Stefan Zweig lebte auch Georg Trakl längere Zeit in Salzburg, und zwar in der Getreidegasse.

Blick von der Festung auf Schloss Leopoldskron
Blick von der Festung auf Schloss Leopoldskron

Der Rundgang endet standesgemäß im Restaurant des Hotels "Sacher" und es bleibt die Würdigung des aktuellenen Kulturprogramms. Denn neben dem bereits beschriebenen Programm für das Jubiläumsjahr finden in dieser Stadt natürlich stets Konzerte und andere kulturelle Ereignisse statt. Wir wollen an dieser Stelle einige näher vorstellen. Da sind einmal die "Mozart-Dinners" im Stiftskeller von St. Peter, dann die Vorführungen des Mozarteums, in diesem Fall ein musikalischer Gang durch die Chanson- und Liederszene des letzten halben Jahrhunderts unter dem Titel " 50 ways to leave your lover", und zum Schluss die europäische Erstaufführung der amerikansichen Oper "Die Passion des Jonathan Wade" im Landestheater Salzburg.

Ein so dichtes Kulturprogramm wie in Salzburg verlang natürlich auch einen Ausgleich durch Bewegung, am besten in freier Natur. Der Golfsport bietet dazu die beste Gelegenheit. Wir haben und den Golfplatz in Eugendorf angeschaut und bespielt und können guten Gewissens sagen, dass dieser Platz nach einer anstrengenden Kulturwoche das beste Ausgleichsprogramm darstellt.

Auf diese Weise verfliegen die Tage in salzburg wie im Fluge, wobei wir noch gar nicht von den anderen Ausflugsmöglichkeiten wie Radfahren, Wassersport auf einem der vielen Seen ringsum oder Bergwandern gesprochen haben. Aber man kann bei einem Ausflug ins musikalisch-historische Salzburg nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen. Schließlich muss man sich noch ein paar "Schmankerln" für den nächsten Besuch aufbewahren.

Weitere Informationen findet man unter:

www.salzburg.info
www.szene-salzburg.net
www.salzburgerfestspiele.at und
www.salzburgfoundation.at 

Frank Raudszus

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