Wintersport auf drei Brettern

                                                         
Januar 2010
Der Vorarlberg bietet ein abwechslungsreiches winterliches Sportprogramm

 
Andere Reiseberichte über den Arlberg:

Essa, Trinka, Bliba











































































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Spätestens in der zweiten
Januarwoche sind alle Wintersporturlauber aus den "angesagten" Wintersportorten abgereist, um sich wieder ihrer Arbeit zu widmen. Jetzt herrscht die von der Touristikindustrie gefürchtete Nebensaison mit gering auusgelasteten Betten, Restaurants und Pisten. Auch viele Urlauber halten den Januar wegen der kurzen Tage und der Kälte für eine weniger attraktive Zeit. Außerdem haben die letzten Jahren die Urlauber nicht gerade mit Schnee verwöhnt. Abgefahrene Pisten, Steine, Eis und harte Loipen lehrten oftmals vor allem die Anfänger das Fürchten und weckten wenig Lust auf ein Winterwochenende in den Bergen. Doch in diesem Winter sieht alles ganz anders aus. Was im deutschen Flachland Autofahrer, Fußgänger, Hausbesitzer und Verkehrsunternehmen nur noch nervt, bildet hier die Voraussetzung für schöne Tage im Schnee.

Es muss nicht immer ein bekannter Wintersportort sein, in dem man sich für ein verlängertes Wochenende einquartiert. Der "Name" bürgt nicht immer für touristische Qualität, sind doch diese Orte auf den Ansturm größerer Besucherströme ausgelegt und lassen oft eine familiäre Atmosphäre vermissen. Andererseits sind die Autobahnen im Arlberg - von Bregenz bis St. Anton - so gut ausgebaut, dass man im Stundentakt von jedem Ort jeden anderen erreichen kann.

Der kleine Ort Sulzberg ist deutschen Urlaubern aus nördlicheren Gefilden kaum bekannt. Er liegt etwa zwanzig Kilometer östlich von Bregenz auf einer Anhöhe des Bregenzer Walds und zeichnet sich außer durch seine Lage durch einen gewachsenen und noch nicht zu touristischen Charakter aus. In langen Serpentinen schraubt man sich auf knapp tausend Meter hinauf, wo ein übersichtlicher Ortskern mit weit sichtbarer Kirche und einigen so bodenständigen wie guten Gastwirtschaften die Besucher erwartet. Einmal dort angekommen, merkt man besonders an Wochenenden, dass die Österreicher und auch die Süddeutschen den Charme dieses Ortes durchaus zu schätzen wissen, denn Parkplätze, Wanderwege und Restaurants sind gut besucht.

Wer Wellness und eine schöne Aussicht genießen möchte, kann sich im "Linde Vitalhotel" an der - schwach befahrenen - Straße kurz vor Sulzberg einquartieren. Die geräumigen Zimmer schauen fast alle auf das weite, bis nach Bregenz reichende Tal hinaus und gestatten sogar einen fernen Blick auf den Schweizer Säntis und die Churfirsten-Gruppe. Das Essen ist hervorragend, und die Wellness-Landschaft mit Schwimmbad und mehreren Saunen entspannt die Muskeln nach einem langen Skitag und wärmt den ausgekühlten Körper.
 
Schneeschuh-Wanderung
Schneeschuh-Wanderung bei Sulzberg


Wer am Freitag Mittag dort eintrifft, wird nicht mehr in die alpinen Skigebiete aufbrechen sondern sich anderen Betätigungen zuwenden. Da es für Sauna und Schwimmbad noch zu früh ist, bietet sich eine Schneeschuh-Wanderung an. Diese Sportart war lange Zeit aus der Mode - durch Alpin- und Langlaufski verdrängt - und kommt erst seit kurzem wieder zu einer zweiten Blüte. Das Hotel organisiert zweimal in der Woche geführte Wanderungen, je nach Wetter- und Schneelage entweder als herkömmliche Wanderung mit Wanderstiefel auf den alten Schmugglerwegen aus den Zeiten der europäischen Nationalstaaten oder eben als Schneeschuhwanderung. An diesem sonnigen Januarnachmittag bietet sich letztere geradezu an. Der Schnee ist dank der kühlen Witterung trotz Sonnenschein noch pulvrig und in mehr als ausreichendem Maße vorhanden. Mit normalen Wanderschuhen würde man hier schnell bis zu den Waden oder tiefer einsinken. Die Schneeschuhe lassen sich problemlos an üblichen Wanderstiefeln anschnallen, und los geht's. Dank der breiten Auflagefläche brauchen wir uns nicht an Wege oder gar Loipen zu halten (letztere sollte man generell umgehen, um nicht die Spuren zu zerstören) sondern können querfeldein über unberührte Schneefelder stapfen, wo sich sonst nur Fuchs und (Schnee-)Has' treffen. In großem Bogen geht es über Hügel und zugefrorene Bäche, an eisbedeckten Badeseen und einsamen Bauernhöfen vorbei, bis wir nach gut eineinhalb Stunden am einzigen Skilift von Sulzberg landen, der sich an diesem Nachmittag ebenfalls regen Zuspruchs erfreut und von dem es nur wenige Minuten bis zu unserem Ausgangspunkt sind. Die eineinhalb Stunden durch die stillen, schneebedeckten Hügel des Bregenzerwalds haben nicht nur herrliche Ausblicke in verschiedene Täler und auf das Alpenpanorama eröffnet sondern auch den Kopf freigeblasen vom Flachlandalltag und Berufsstress. Auch sportlich weniger Geübte können diese Art des Wanderns ohne Anlaufschwierigkeiten genießen und sich dabei die Bewegung verschaffen, die uns in unserem Alltag oftmals fehlt.

Am Samstag lockt dann aber doch der Berg. Bis Zürs im Arlberg ist es zwar eine gute Stunde mit dem Auto, diesen Preis zahlt man jedoch gerne für die ländlich-ruhige Lage der Unterkunft. Doch die Sonne strahlt bereits am Morgen so freundlich, dass wir viele Gleichgesinnte auf den Straßen vermuten. Die Autobahn lässt keinen besonderen Ansturm vermuten, doch die frühzeitig am Straßenrand eingeblendete Parksituation zeigt es deutlich: bereits um zehn Uhr sind alle Parkplätze in Lech besetzt, kurz danach auch die in Zürs. Sonne und Schneelage haben alle Skisportler in den Arlberg gelockt. Kurz vor Zürs, gleich hinter dem Flexenpass, entdecken wir eine einsame Hütte mit einem Parkplatz davor, aus dem ein Auto kommt. Kurzentschlossen biegen wir auf den Parklplatz ab und nutzen den gerade frei gewordenen Platz. Erst danach entdecken wir, dass hier direkt die Piste nach Zürs vorbeiführt. Wir brauchen also erst gar nicht einen Parkplatz in Zürs zu suchen sondern können uns bereits hier auf die Ski schwingen.

Blick von der Piste auf den Arlberg
Blick von der Piste auf den Arlberg

Wer für einen Tag nach Zürs/Lech fährt, sollte die große Rundtour von Zürs über das Mahdloch, Zug, Lech und wieder Zürs einplanen. Sowohl erfahrene als auch weniger geübte Skiläufer finden hier passende Hänge, obwohl sich wirkliche Anfänger wohl vor allem am Mahdloch schwer tun würden. Mit zwei Sesselliften geht es hoch auf das Mahdloch - ein Joch, das auf das Zuger Tal hinunterschaut - und von dort in langen, teilweise etwas steileren aber gut präparierten Pisten nach Zug hinunter. Man kann zwar auch direkt nach Lech fahren, aber diese Piste ist wegen der langen Schrägfahrt weniger attraktiv. In Zug geht es mit der "Zuger Bergbahn" hinauf auf das Kriegerhorn hoch oberhalb Lech, und dort kann man sich erst einmal auf verschiedenen weitläufigen Sonnen- und Schattenpisten austoben, je nachdem ob man eher guten Schnee oder Sonne bevorzugt. Doch jetzt im Januar ist der Unterschied nicht so groß, sodass wir die Sonnenhänge bevorzugen. Dann geht es in langen Schwüngen hinunter nach Oberlech, wo die Sonnenterrasse eines Hotels zu einer Vesper einlädt. Hier kann man sich gut "einklinken", und es besteht durchaus die Gefahr, dass man nicht mehr wegkommt von diesem sonnigen Flecken, vor allem, wenn noch ein oder zwei "Willis" im Spiel sind.

Doch uns treibt es weiter auf der großen Runde, Abwärts geht es nach Lech über den Schlegelkopf - den "Hausberg" von Lech - zur Talstation der Rüfikopf-Bahn. Mit der Gondel geht es hoch auf den gleichnamigen Gipfel auf der anderen Seite von Lech. Von dort führen lange, breite Hänge minderen Schwierigkeitsgrads hinunter zur Trittalm-Station, von wo uns ein Sessellift zur Trittalm hebt, die auf Zürs hinunterblickt. Auf der wegen starker Frequentierung stets ziemlich abgebügelten "Hexenboden"-Abfahrt geht es hinunter nach Zürs. Von dort aus müssen wir noch zwei Sessellifte auf den Muggengrat nehmen, von wo wir auf einer jetzt am Nachmittag bereits etwas schattigen aber sehr schön geschnittenen Abfahrt direkt bis zu der Hütte mit dem Parkplatz kommen. Natürlich gehört noch ein "Absacker" in der äußerst gemütlichen Hütte zum Pflichtprogramm, und auch hier könnte man glatt versacken, stünde uns nicht noch eine längere Autofahrt bevor. Schließlich landen wir bei einbrechender Dunkelheit in unserem Hotel und stürzen uns sofort in das entspannende Ambiente der Saunalandschaft.

Die Loipe bei Sulzberg
Die Loipe bei Sulzberg


Für den Sonntag steht eigentlich die Rückfahrt auf dem Programm, doch der dank der Jahreszeit geringe Verkehr auf der Autobahn und das herrliche Wetter verleiten uns dazu, noch die dritte Art des Wintersports zu versuchen. Wir leihen uns im Hotel Langlaufski und ab geht's nach Sulzberg, wo wir bereits am Freitag die Spuren der Langläufer entdeckt haben. Drei Loipen - schwarz, rot und blau - stehen Langläufern aller Leistungsklassen zur Verfügung. Vorsichtig, wie wir sind - schließlich haben wir seit vielen Jahren nicht mehr auf Langlaufskiern gestanden -, fangen wir mit der blauen Loipe an und absolvieren in knapp einer Stunde den etwa 3,5 km langen Rundkurs. Angesichts des schönen Wetters hängen wir noch die rote Loipe dran, die uns über sanfte Höhen mit Paradeblick führt und auch nur unwesentlich schwieriger als die blaue Loipe ist. Nur die schwarze Loipe sparen wir uns, da sie mitten durch den Ort führt und da andererseits langsam die Zeit knapp wird. Ein letzter Kaffee in Sulzberg mit herrlicher Aussicht auf das Nachbartal rundet dieses sportlichen Vormittag ab, dann geht es auf die Heimreise.

Fazit: ein verlängertes Winter-Wochenende im Vorarlberg bzw. Bregenzerwald lohnt sich immer, vor allem natürlich, wenn Schnee und Sonne sich den Urlaubern so gewogen zeigen.

Frank Raudszus

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